f.i.s.h.

berci.blog

b.e.r.c.i

Dienstag, 1. Juni 2010

Handeln

Gestern habe ich ein neues Automobil gekauft. Nun bin ich ein besserer Mensch geworden. Wenn ein Fahrradfahrer mich rechts überholt, weil ich im Stau stehe, dann lache ich nur darüber, weil ich mir genau bewusst bin, dass ich ein besserer Mensch bin. Wenn ein Fahrradfahrer in einer engen Straße mir entgegenkommt, bewahre ich die Ruhe. Das ist das erste, was ein guter Mensch tun muss. Die Ruhe bewahren. In jeder, noch so brennsliger Situation. Ich fahre auf der Mitte der Straße, symbolisch, damit der Fahrradfahrer sieht, dass ich mir sicher bin, was ich tu. Wenn das, was du tust, gut ist, dann tu es mit Überzeugung, habe ich mir immer gesagt. Endlich sieht man mir meine Taten an. Ich habe ein schönes Auto, das auf der Mitte der Straße fahren kann. Endlich sieht man, dass ich gut bin. Die Moral ist nur ein leeres Wort. Wenn man gut sein will, so muss man handeln. Man soll sehen, dass man gut ist, und in der Lage, Gutes zu tun. Ich fahre am Fahrradfahrer engstens vorbei, und dabei verringere ich meine Geschwindigkeit nicht. Ich bin mir sicher, bei dem, was ich tu. Bin ich an dem Hindernis vorbei, so lasse ich den Motor aufheulen, damit der Fahrradfahrer, der vor Zittern kaum noch das Lenkrad in Fahrtrichtung halten kann, und eine weite Schlangenlinie fährt (das alles könnte ich jetzt in meinem Rückspiegel beobachten, aber ich tu es nicht, denn ich bin mir über die Konsequenzen meines Handelns so sehr im klaren, dass ich blind davonfahren kann), merkt, dass ich mir darüber bewusst bin, was er für ein schlechter Mensch ist. Vielleicht bessert er sich.