f.i.s.h.

berci.blog

b.e.r.c.i

Montag, 20. März 2006

Stehenbleiben

S. ging einen Schritt vor, denn er befürchtete, ein Auto könnte zu nah an seinem Rücken vorbeifahren. Er stand mitten auf der Straße zwischen fahrenden, ohne Rhythmus laut aufsäuselnden Autos, die eilends auf zwei Fahrstreifen hinter ihm in die eine und auf den anderen zwei Fahrstreifen vor ihm in die entgegengesetzte Richtung auf einer breiten Straße in einem Vorort einer größeren Stadt fuhren.

S. wollte lediglich von der einen Straßenseite auf die Andere, wo das Geschäft, in dem er Besorgnisse zu erledigen hatte, sich befand. Jetzt stand er genau auf der Mitte der Straße und wartete, bis vor ihm die Bahn genügend freigeworden war, so dass er ohne Gefahr seine Überquer fortsetzen und beenden konnte.

Er wartete und hörte, wie die Autos sich näherten, ihr Fahrgeräusch stetig lauter wurde, bis zu einem Wendepunkt, ab dem das Geräusch in etwa dem selben Maß, wie es lauter, wieder leiser wurde. An diesem Wendepunkt befand sich das Auto zu ihm am nahesten Punkt. Es war ihm schon seltsam zumute, als er diesen Gedanken aufnahm, dass es einen Wendepunkt gibt. Denn einen Wendepunkt erkennt er, so überlegte er weiter, nur daran, dass das Geräusch erst lauter, dann aber wieder leiser Wurde. Die Autos müssen folglich unbedingt in ständiger Bewegung sein, sonst gibt es so einen Punkt nicht. Wie aber kann es dann sein, dass er, wenn er sich stark konzentrierte, diesen Punkt doch auf irgendeine Weise fassen kann? Ist ein Stillstand, an diesem Punkt? Bleibt die Welt an diesem Punkt denn einfach stehen?

Jetzt wurde es vor ihm frei, die nächsten Autos, die kamen, waren noch weit genug, und S. konnte die Straße zu Ende überqueren.