Montag, 20. März 2006
Die Mütze
Sie waren noch weit von Zuhause entfernt, und es war schon dunkel geworden, so dass man in jenem sturmartigen Regen nicht sehr weit sehen konnte. Sie erkannten die vor ihnen liegende Landstraße nur daran, dass die sie begleitende Baumreihe, die in der Entfernung immer dichter wurde, das bisschen Mondlicht so sehr in ihrem Inneren verschluckte. Ein die graue Landschaft durchziehendes schwarzes Band weiste die richtige Richtung.
“Warte, ich habe meine Mütze verloren, der Wind hat sie mitgenommen. Wahrscheinlich ist sie im Graben: als mir die Mütze vom Kopf gerissen wurde, habe ich gespürt, wo sie in etwa hingeflogen ist.”
Sie suchten die Mütze erst im seichten Graben neben der Straße, dann aber auch auf der Straße selbst. Je mehr sie suchten, um so ungenauer war ein möglicher, erst so sicher umschriebener Fundort zu vermuten, um so unwahrscheinlicher war es, dass die Mütze in der von Dunst noch mehr verfinsterten ohne hin schon finsteren Nacht noch einmal auftauchte. Der von Mal zu Mal stark aufheulende Wind hat sie womöglich längst weitergetragen.
“Warum hast du sie nicht festgehalten? Als der Wind aufkam, hättest du doch vorsehen müssen, dass sie dir möglicherweise vom Kopfe fliegt. Jetzt ist sie weg, und wir werden sie nie finden, es ist zu dunkel.”
Sie suchten noch ein wenig weiter, taten so, als könnten sie die Mütze gleich in Händen halten, über die Leichtigkeit zusammen lachen, und es für den Rest des Lebens merken, wie wichtig es ist, die Mütze in solch einem Wetter wenigstens in den von starkem Wind beherschenden Momenten festzuhalten.
“Komm, die Mütze finden wir nicht mehr. Wir sollten weiter, der Sturm wird immer schlimmer.”