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Montag, 7. Februar 2005

Im weiteren Tagesverlauf

Wenn ich morgens aus dem Haus gehe, kann ich keine sonderliche, überhaupt nennenswerte Verwandlung meiner auf die gestrige Lebenssituation bezogenen Umstände verzeichnen. Gestern hätte ich den selben Vergleich mit dem Bezug auf Vorgestern anstellen können, und so fort.

Bis heute lässt mir dieses Rätsel keine Ruh. Denn es ist ein Rätsel, warum es heute morgen wieder mit dem manchmal so gleichgültigen, manchmal gar quälenden Charakter des Unveränderten weiter geht, anstatt den Tag wie ein Held mit neuen Ansätzen zu neuen Abenteuern beginnen zu dürfen. Wenn ich mir dieses ungelöste Rätsel nicht Tag für Tag jeden Morgen erneut vor die Nase halte, und dabei schwebt mir das Bild eines nach der vor ihm hängenden jedoch gleichzeitig an ihn gebundenen Leckerwurst hechelnden, laufenden und hechelnden Hundes vor, wäre ich schon am Mittag des selben Tages diesem Trott überdrüssig.

Bis heute jedoch schwebt mir sowohl das Bild als auch das Rätsel selber vor. Manchmal denke ich, das Bild versperre den Weg zur Erkenntnis. Dann aber betrachte ich nur das Rätsel alleine und kann es immer noch nicht lösen. Ist es nicht zum Verrückt werden! Oder aber es ist Neid, der mich so plagt. Nur ich gehe morgens aus dem Haus ohne z. B. an etwas zu denken, dass heute plötzlich schöner erscheint, als gestern. Oder, dass etwas überhaupt schön erscheint, was gestern noch gar nicht mit reinem Gewissen als schön bezeichnet werden konnte. Ein anderes Beispiel wäre, dass nur ich so langweilig bin, nicht aus versehen mit Pantoffeln das Haus zu verlassen. Wäre das nicht wahnsinnig komisch und daher ein höchst spannendes und möglicherweise heldenhaftes Ereignis im weiteren Tagesverlauf? Es könnte auch jemand zu mir sagen, dass er mich in seinem Auto mitnehme, wohin ich wollte, und ich wollte auf den Mond fahren, und er sähe kein Hindernis in dem Vorhaben und seiner sachgerechten Ausführung. Er hätte nur die Bitte, ich solle mein Pausenbrot mit ihm teilen, so dass er auf dem Wege dahin, der sich räumlich und zeitlich möglicherweise in die Länge ziehen könnte, nicht verhungert. Ich würde nie mehr der selbe Langweilige sein, wie am Morgen zuvor, wenn mir so etwas geschehen würde! Wenn mir so etwas geschehen würde, würde sich mein ganzes Leben ändern. Alles würde ich ganz anders, aus einem ganz anderen, neuen Blickwinkel betrachten. Aber mir geschieht so etwas nie.

Bis heute frage ich mich, wieso mir so etwas nie geschieht? Gibt es Menschen die zur Langeweile, zum Unglücklichsein geboren werden? Bin ich so ein Mensch? Oder kommt das Glück schon morgen, mit einer Entschuldigung für die Verspätung? Ich jedenfalls hätte nichts dagegen und würde aus lauter Freude über sein Erscheinen die Verspätung gar nicht bemerken, obwohl ich sie ihm heute noch recht verargere.