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Dienstag, 4. Januar 2005

Ileus

Am Sonntag gab es nur noch Reis
Beim alten, weisen Mann Herr Leis.
Er war bewusst um seine Frist,
Und so seit neustem Neobuddhist.
Der Neobuddhist, so wills die Schrift,
Erkennt den Geist- und Körpergift.

Und so sei Reis nebst Wasser nur
Die darmspülende Körperkur.
Das ging ganz gut, die ersten Mal.
Dann war der Sonntag nur noch fahl.
Der Montag war ein schlechter Start.
Die ganze Woche zäh und hart.

Herr Leis begann den Weg zu sehn
Und ließ den Reis vor Übel stehn.
Er aß am Sonntag gar nichts mehr,
Und Montag war sein Magen leer.
Bis Dienstag war sein Speiseplan
Nur trocken Brot und Lebertran.

Am Mittwoch gings dann wieder gut,
Herr Leis bekam zum Essen Mut.
Und haute dann so richtig rein,
Und aß bis Spät noch, wie ein Schwein.
Der Donnerstag war Strafe dann.
Wie Gott nur Fresssucht strafen kann!

Mit Magenschmerzen, Übelkeit,
Zum Scheißen fehlte ihm die Zeit.
Und Freitag dann, war alles still,
Als ob sein Magen Pause will.
Sein Darm hielt ein, er knurrte nicht,
Er war am Ende mit der Schicht.

Der Samstag war ein arger Tag,
An dem Herr Leis im Bettchen lag.
Der Sonntag kam, der Darm kam nicht,
Am Montag schrieb das Arbeitsgericht:
Herr Leis, so geht es wirklich nicht.
Ein Darm schafft täglich eine Schicht.

Und nun verbleibt noch allerhand
Gerümpel in dem Dickdarmband.
Wie wird Herr Leis die Scheiße los?
So liegt und fragt er Rigoros.
Im Bauch da quält und drückt ihn schon
Das Zeug, so rennt er auf den Tron.

Da sitz er Stund um Stunde dar,
Von Stund zu Stund wird nunmehr klar,
Warum der Arme leiden muss:
Herr Leis hat einen Darmverschluss.
Er eilt somit zum Telephon,
Und schon erklingt der Wählerton.

Und nackt mit einem roten Arsch,
Erhebt er seine Stimme harsch:
Sofort! Ich brauche Hilfe! Schnell!
Der Notruf kommt, man hört es hell.
Und schnurstracks liegt im Krankenhaus
Herr Leis der Weise, altes Haus.

Die Schwester kommt zur Türe rein:
Wat iss denn Liebes? Bein zu Bein!
Me beide kriejen dat schon hin.
Du bist ja nitt dat erste Kind.
Nun lehsch disch rischtisch op die Seit!
Ja, wundebaa! Dat iss jescheit!

Dann legt sie alles Kram zurecht
Und macht sich ran an dies Gefecht.
Sie munkelt still, und trifft die Wahl:
Me machen dat jetzt Digitaaal!
Herr Leis blickt auf, als wärs passiert:
Ich werd doch jetzt nicht operiert?

Ach wat! Jetzt lesch disch wieder hin,
Sonst krisch isch nitt ming Finger rin!
Ja fein! Dat mehkste wirklisch jut!
Wo iss denn nu die arsche Brut!
So jetzt, da isset! Hängt am Steiß!
Isch werd nit mehr, ja so ein Scheiß!

Der Artzt kam rein: Sind Sie Herr Leis?
Herr Leis war schon vor Mühe weiß:
Ja ja, ich bins, es drückt und staut
Doch nur die Türe knallte laut.
Der Arzt war weg, die Schwester dann:
Der rückt erst mojn hier wieder an.

Aha, jetzt hamma allet russ.
Da biste bald per freiem Fuss.
Herr Leis fragt wundernd schnell zurück:
Wieso nicht gleich? Es hat geglückt!
Moment, Moment! Isch mein die Woch,
Da wird dat nix, da blevste noch.

Ich will, wenns geht, heut abend noch
Verwaltungsteschnisch fehlste noch.
Dat muss erst jänzlisch sauber sein.
Und dann erst kannste op die Bein.
Sie deckte ihn dann wieder zu,
Und ging die Türe raus im nu.

Am nächsten Morgen dann halb Acht
War pünktlich Frühstück dargebracht.
Herr Leis sah hin und freute sich,
Das war doch wirklich königlich.
Das Frühstück an sein Bett gebracht!
So schlimm wars doch nicht, wie er dacht.

Er griff zur Kanne, goss sich ein,
Da kam dann schon ne Schwester rein,
Die ihm das Frühstück wieder nahm,
Und fort das Frühstück wie es kam.
Herr Leis war völlig Weg und Hin,
Er fragte sich, ob er jetzt spinn.

Ach so, die Schwester in der Tür,
Sie bleiben nüchtern, klar wofür!
Darauf kam eilend flugs herein
Ein Kittel: Doktor Nierenstein!
Und schrie, vom Bett flog hoch der Staub,
Als wär Herr Leis halb Blind, halb Taub:

Das ist Herr Leis! Willkommen hier!
Ihm geht es gut! wie geht es mir?
Mit einem Bein trat er ins Bett,
Und schrieb Notizen auf ein Brett.
Das geht ganz schnell, mein lieber Mann.
Ich komm zurück, sobald ich kann.

Der Kittel flog durchs Zimmer raus.
Und das hier ist ein Krankenhaus?
So dachte still Herr Leis für sich
Den Laden hier so unterm Strich.
Und dann wars Mittag, Abend bald,
Es wurde dunkel, still und kalt.

Und plötzlich sprang mit einmal rein,
Ne dunkle Frau: Das muhs e ssein!
Ssie trinken daaas, und wenns nich smeeeckt!
Ich will esssehn, gans ausgeleeeckt!
Und reichte ihm ein Maß voll Saft,
Herr Leis hat es nur halb geschaft.

Die Schwester riss das Maß zu sich
Und wurde sichtlich ärgerlich.
Sie hielt Herr Leis im Zaume fast,
So dass das Maß zu Munde passt.
Und goss das Zeug in ihn hinein,
Herr Leis hob nur noch einen Bein.

Dann ging sie wieder: Gute Nacht!
Herr Leis hats übel zugebracht.
Er lief die ganze Nacht auf Topf.
Am Morgen dann ein riesen Kopf.
Das Frühstück kam, er ließ es dort,
Und wieder weg, ganz ohne Wort.

Herrn Leis war nunmehr alles gleich.
Sein Leben sah er schon im Teich.
Der Kittel kam, der Nierenstein.
Und sagte kurz: Jetzt könn wir rein!
Er löste Bremsen, zog das Bett,
Er zog zu stark, es bumste fett.

Und dann schob er Herrn Leis den Gang
Wie einen Notfall schnell entlang.
Den Aufzug rein und wieder raus,
Und wieder einen Gang im Haus.
Und schließlich kam das Bett zum Halt,
In einem Raum, so grün, so kalt.

Man steckte ihm was an die Hand,
Und drehte ihn zur einen Wand.
Dann brüllte plötzlich Nierenstein:
Das sag ich gleich! Der Schlauch muss rein!
Und schob den Schlauch dann langsam vor,
Und sah den Darm am Monitor.

Da ist ja gar nichts drin, Moment!
Ich seh da nichts, dass etwas hängt!
Das ist ja wirklich allerhand!
Sie kleiner, dreißter Simulant!
Na, war nur Spaß! Sie sind jetzt frei!
Das Ende jeder Quälerei!

Er zog den Schlauch und sagte laut:
Sie klagten doch, es drückt und staut!
Sie haben da was schön versäumt.
Die Schwester hats doch ausgeräumt!
Ach wirklich? Na, das ist gewagt!
Das hat mir niemand je gesagt!

Egal, jetzt endlich wissen Sies.
Ich will zurück in mein Verließ.
Der Arzt rief schnell die Schwester bei,
Sie redeten noch allerlei
Dann schob man ihn im Bett zurück,
Das war des Tages größtes Glück.

Herr Leis lag da, und stöhnte sehr,
Als ob er vergewaltigt wär.
Er schwor es sich auf Leben, Tod!
Er isst kein Reis mehr, nur noch Brot.
Das war ein wirklich teurer Preis
Für irgendein Buddhistenscheiß.