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Montag, 1. November 2004

Herr Weit und die Lampe

Sonntag morgen war Herr Weit
Endgültig seiner Lampe leid.
Denn schon in aller Herrgottsfrüh
Vermied er nur mit Not und Müh
Durch reflexive Torsion
Eine Lampen-Kopf-Kollision.
Er schwor es sich in Provision
Auf zukünftige Prävention,
Die schwebende Gefahr zu versengen,
Und also die Lampe höher zu hängen.

Schon unten begann er zu gestikulieren,
Und gleichsam die Wut zu artikulieren.
Und während Herr Weit die Leiter bestieg,
Erklärte er kurz der Lampe den Krieg.
Doch oben dann auf der Spitze der Leiter,
So denke man sich das Drama weiter,
Verlor unser Reiter sein Gleichgewicht,
Er wankte und schwankte (schlecht war’s nicht,
Nur Trommelwirbel und Zimbel hätte
Mehr Spannung gerieben in jene Stätte)
Da kam die nackte Natur und fand,
Dass dort Herr Weit zu genüge stand,
Sie rief ihn wieder auf den Teppich:
Das war begnadigt, kunstvoll, üppig,
Wie er bar schwere abwärts schwebte,
Und unter ihm das Parkett erbebte.

Obwohl Herr Weit sich nichts gebrochen,
Sein Schädel ganz und heil die Knochen,
Für ihn wars damit nicht getan.
Und so überkam ihn der nackte Wahn:
Für ihn war das nur katastrophal,
War boshaft, krank, nicht mehr normal,
Und fluchte verbittert, vor Ärgernis:
Schrie: Hagel, Hölle und Hundebiss!
Wegen diesem blöden Lampenschirm
Verkocht mein Liquor mir vom Hirn!
So ruf ich Himmel Herrgott bei,
Mitsamt dem Heiligen Allerlei,
Nicht mehr soll dieser Kerzenständer,
Darmverdreher, Magenwender,
Meinem Hause würdig sein!
Und: Pack dich fort du mieses Schwein!

Mit diesen verabschiedenden Worten
Griff er nach dem Grund der Sorgen,
Riss ab, was an der Decke hakte,
Sein Herz erschwerte, drückte und plagte.
Es kam viel Schutt und Asche mit
Bei diesem aggressivem Schritt.
Und an der Decke an der Basis
Klafften die Drähte Null und Fasis.

Armselig ward der Plafond, so arg,
So ausgestorben, kalt und karg.
Doch Wahnsinnsblicke, fürchterlich,
Überzogen Herr Weitens Hassgesicht.
Er grinste breit, und zeigte die Zähne,
Die Wut unterstrich seine wüste Mähne.
Er hielt noch die Kabel verkrampft in der Hand
Wobei er noch lange gebannt da stand.
Doch schließlich trug in sündiger Wonne
Herr Weit die Lampe zum Müll in die Tonne.
Er schien nun hoch befriedigt zu sein,
Und begoss seinen Sieg mit ner Flasche Wein.

Zu unrecht beschimpft, verurteilt, verbannt,
Vergewaltigt, verhöhnt, zum Teufel gesandt,
So saß die Lampe in der dunklen Zelle
Und säße noch immer an jener Stelle,
Doch Montag Morgen um sieben Uhr,
Erschien die holde Müllabfuhr,
Den Deckel der Tonne zu öffnen begann
Und so in die Sache Einsicht gewann,
Entdeckte die teure noch neuere Lampe,
Befreite sie dann aus der stinkenden Pampe.
Der Abfuhrbediensteter sprach dabei:
Vergeltung verlangt diese Schweinerei!
Mich packt und würgt die gellende Wut,
Ich kotze Galle und schwitze Blut!
Wer ist denn so Dicht und vom Winde verweht
Der nicht mal den Müll zu trennen versteht!
Mit diesen deutlichen Argumenten
Entschloss er sich, an Herrn Weit zu wenden,
Und da beim Klingeln sich gar nichts regte,
Die Lampe vor seine Türe legte.

Als dann Herr Weit um acht Uhr erwachte
Die Morgenzeitung zu holen gedachte
Das weitere können wir uns ja denken
Und überflüssige Reime schenken.
Er sah die Lampe, und sah dann Rot,
Dann sah er nichts mehr, er war dann tot.
Die Obduktion der Leiche ergab,
Dass er am Lampenfieber verstarb.

Die Lampe jedoch lachte sich schief,
Wo immer sie hang, hang sie zu tief.