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Montag, 1. November 2004

Der Reiche und die Flasche

Weit von hier, so weit entfernt,
Wo keiner Lesen je gelernt,
Von Schreiben nie die Rede war,
Präsidierte Baldemar.

Baldemar, der Flaschengeist,
Der suchenden den Weg verheißt.
Der wünschenden den Wunsch gewährt,
Und Unglücklichen Glück beschert.

Da kam einmal zu Baldemar
Ein Mann, der reich und rühmlich war.
Er nahm die Flasche, rieb sie an,
Rieb noch einmal, und hielt an;

Hielt kurz ein und rieb dann weiter.
Stellte sich zum Reiben breiter.
Wechselte die Rubbelseite.
Änderte die Rubbelweite.

Änderte die Rubbelweise,
Schrieb nun große, weite Kreise,
Ließ sie raus, die Reibewut!
Verschluckt von Funken Reibeglut.

Wo zum Teufel ist der Geist?
Weiß er nicht mehr, wie er heißt?
Ich reibe mir die Hände wund,
Und leide wie ein Schweinehund.

Aha, ich weiß, du sparst auf Kohle,
Wartest bis ich Scheine hole.
Na gut, wir können da was drehn,
Zu Anfang denk ich reichen Zehn.

Hier, greif zu, du Flaschenhure!
Hast nun endlich deine Fuhre!
Doch die Flasche war wie tot.
Sogar auf dieses Angebot.

Es ist die Regel, wie man sieht
Dass Geld bei Geistern nicht so zieht.
Der Reiche aber gab nicht auf,
Versuchte weiter seinen Kauf.

Er fragte zynisch: Lieber Geist,
Sind Sie etwa abgereist?
Hatten Sie genug vom Leben,
Und sich selber aufgegeben?

Wo bleibt der Ehrgeiz und die Kraft
Der Flaschengeisteswissenschaft?
Komisch, komisch, nicht, Herr Geist,
Wie schnell man doch ein letztes scheißt?

Doch Spaß beiseite, kommen Sie,
Heraus mit Ihnen, faules Vieh!
Ich biete meine Schätze an,
Und mehr als man sich wünschen kann.

Ich weiß, dass Sie Zuhause sind,
Ich bin doch kein naives Kind!
Freuen Sie sich mir zu dienen,
Seien Sie zur Stell erschienen!

Baldemar, ganz cool und lässig,
Sagte nur: Sind Sie gehässig!
Sagen Sie, wer sind sie bloß,
Sie leichenbleiches fettes Kloß

Soll ich Ihnen je erscheinen,
Wenn Sie mich mit Hass bereimen?
Soll ich Sie denn je erhören,
Wenn Sie mich durch Hass betören?

Sie unbiegsame straffe Faser!
Machen Sie mich nicht zum Raser!
Treiben Sie es nicht zu weit!
Ich bin das Spiel bis Oben leid.

Ich kann auch anders, bitte sehr,
Sie machen es mir nicht sehr schwer.
Ich werd, sodenn Sie nicht willfahren,
Üble Märchen um Sie scharen.

In meiner hohen Position
Sind Sie nach kurzer Aktion
Ein Flaschenloser armer Sack,
Ein Arbeitsloses, altes Wrack.

Wenn Sie vernünftig reflektieren,
Kommen Sie um mir zu dienen!
Ich bins nicht, das ist das Geld,
Wer Geld besitzt, dem dient die Welt.

Geld ist Reichtum dieser Welt.
Bei mir versagt dein vieles Geld.
Ich bin der Geist, der Wunder macht,
Und daher Reichtum arg verlacht.

Mit einem Mal, glühte die Flasche,
Enflamte dann, und ward zu Asche.
Die Asche verstaubte dem Boden gleich,
Der Reiche wurde kreidebleich.

Er stotterte, sein Blick ward weit,
Er flehte dar, ihm tät es Leid,
Er wollte keinen Zorn erwecken,
Er wollte doch nur freundlich necken.

Witzig sein und Spaß betreiben,
Sympathie und Freundschaft zeigen.
Hoffend: Geisti fand entzücken.
Kehre mir doch nicht den Rücken!

Doch Baldemar kam nie zurück.
Und somit blieb des Reichen Glück
Auf ewig eine gute Frage
Bis ans Ende seiner Tage.

Glück ist keine Handelsware,
Was man kauft, worauf man spare.
Einzig liegt es in der Macht
Der unsichtbaren Geisterpracht.