Montag, 1. November 2004
Belsazar
Die Sonne stach zur Mittagszeit,
Und keine Wolke weit und breit.
Ganz Babilon war brühend heiß,
Und nahm den Menschen jeden Fleiß.
Wer jetzt noch auf den Straßen blieb,
Dem war sein Leben nicht mehr lieb.
Belsazar saß in seinem Schloss,
Wo Wasser seinen Geist begoss.
Die Knechte hoben seinen Zopf,
Und nässten seinen heißen Kopf.
Belsazar trohnte, man stelle sich vor,
Wie einer, den ein Gott erkor.
Vor ihm, die Knechte in einer Reih,
Es waren ihrer hundertdrei.
Es waren viel, die Reih war lang,
Man sah vor Knechten nicht den Gang.
Es wanderte da Stück für Stück
Ein leerer Kelch die Reih zurück.
Im Garten stand der erste Knecht,
Es war ihm schon vor Hitze schlecht.
Ein Brunnen war dort angebracht,
Und so die Knechte-Reih vollbracht.
Der Knecht zog schwitzend Wasser rauf,
Und Goss den Kelch mit Wasser auf.
Sein übler Job war ohn Ersatz,
Denn Wasser war der größte Schatz.
Und war der Kelch erst vollgetankt,
Da war er schon zum Tor gewankt.
Und dort stand auch der zweite Knecht,
Und band sich ein in dies Geflecht.
Er gab den Kelch dem dritten Mann,
Und der bot ihn dem Vierten an.
Von Knecht zu Knechte, und so fort,
Und durch bis hin zu jenem Ort
An dem der König müßig saß,
Kakaogefüllte Kekse fraß.
Dort hob der hundertdritte Knecht
Belsazars kühnes Kopfgemächt.
Und hielt den Kelch in zitternder Hand,
Zu oft hat er sich so verbrannt.
Der Knecht begoss des Königs Kopf,
Und hielt dabei des Königs schopf.
Man sah wie zischend Dampf entwich,
Belsazar einem Schornstein glich.
Der Kelch war nunmehr wieder leer,
Und wanderte im Knechteheer.
Belsazar fand das deliciös,
Die Knechte jedoch waren bös.
Sie schwitzten für den König hin,
Für sie war nur die Arbeit drin.
Doch alle wussten nur zu gut,
Nur schwache Geister kennen wut.
Denn jedem Knecht war noch im Ohr,
Als er mal den Verstand verlor.
Dann war er plötzlich selber Gott,
Aus ihm kam nur noch Hohn und Spott.
Das ging dann ziemlich übel aus,
Das Leid trägt heute noch das Haus.
Das Übel kam, denn einer fand
Graffity Zeichen an der Wand.
Er traute seinen Augen nicht,
Es war ne fette schwarze Schicht.
Man rief sofort Belsazar bei,
Und zeigte ihm die Schmiererei.
Belsazar schrie: schließt das Tor,
Der Übeltäter komme vor!
Mit festem Biss, er konnte kaum
Die Worte trennen von dem Zaum.
Sein Kopf ganz rot, sein Haar zerzaust,
Dass jedem Knecht es jetzt noch graust.
Ich dulde keinen Widerstand!
Schon garnicht hier! an meiner Wand!
Er rief die Weisen aus dem Land,
Zu deuten die Zeichen an der Wand.
Sie eilten mit Proben ins Labor,
Doch leider kam so nichts hervor.
Und eines Tages fand man raus,
Belsazar selbst verschand sein Haus.
Er trank viel Wein in jener Nacht,
Und wusste nicht mehr, was er macht.
Man hielt sich gut bedeckt und schwieg,
Es drohte nunmehr Bürgerkrieg.
Die Peinlichkeit kommt noch dazu,
Da passt dann ja der alte Schuh.
Man rührt schon lang in einem Topf,
Belsazar hat nen Schwamm im Kopf.
Er hat ja nur zum Saufen Mut,
Zum Saufen ist er einzig gut.
Regieren tut er lang nicht mehr,
Das Land versinkt im Schuldenmeer.
Er meint, sein neuer Superknecht,
Macht Arbeit sozial gerecht.
In Babylon ist jeder bloß
Noch immer Brot und Arbeitslos.
Es kocht und brodelt überall,
Das Land verkommt zum Schweinestall.
Die Menschen rufen: Arbeit, Brot!
Belsazar schweigt Probleme tot!
Bis jetzt wars jedoch immer gut,
Die Zeit bedeckte jede Glut.
Doch käme es nun außer Haus,
Belsazar fiel ne Schraube raus,
Und schrieb die Klagesprüche Selbst
An Seine Wand, dann wäre Herbst.
Dann wäre wirklich Sendeschluss,
Belsazar in dem nächsten Fluss,
Mitsammt dem ganzen Knechteheer,
Das Schloss bis unten Knechteleer.
Das wäre gar nicht Optimal,
Konfliktmanagement war die Wahl.
Man fütterte die Boulevard
Mit bunterdachter Märchenschaar.
Die Sache lief als ob geschmiert,
Problem damit verkommuniziert.
Als einzig ein Problem noch blieb,
Wenn Belsi dumme Sachen schrieb.
Man Zittert um den kranken Mann,
Wie lang er sich noch halten kann.
Belsazar litt schon an Demenz,
Gefährlich nah zur Somnolenz.
Damit er nicht noch einmal spinnt,
Und ungeahnten Unsinn bringt,
So riet der Arzt am Hof dazu,
Zu sanfter Kühlung und zu Ruh.
Denn nur ein gutgekühlter Dach,
Begegnet jeder Lage wach.
Und daher diese Zeremonie,
Die vorbeugende Therapie.
Seit dem wird täglich präveniert,
Belsazar wohlig temperiert.