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Sonntag, 31. Oktober 2004

Dieser Text hier

Dieser Text hier ist nicht das, was man von einem Text erwartet. Es fragt sich, was das denn für ein Text ist, der keiner Erwartung entspricht. Dieser Text hier ist kein Überflieger, kein Taucher. Stinknormal ist dieser Text nicht. Dieser Text stinkt nicht. Dieser Text ist nicht methaphysisch. Nicht der Himmel schickt diesen Text. Dieser Text will nicht prahlen. Dieser Text hier will nicht gut sein. Dieser Text kocht nicht. Dieser Text ist nicht roh. Dieser Text hier will nichts erreichen. Dieser Text hier ist nicht Krank. Dieser Text hustet nur ein wenig. Dieser Text enthält keine langen Sätze. Nicht verwirren will dieser Text. Dieser Text hier verdichtet und verdünnt nichts. Dieser Text sagt, was er sagen will. Nichts anderes sagt dieser Text. Dieser Text hier will nichts aussagen. Dieser Text hier ist keine Parodie. Dieser Text ist keine Verarschung. Dieser Text ist nicht ohne Kontext. Dieser Text argumentiert nicht. Dieser Text will nicht diskutieren. Nichts verschweigen will dieser Text. Dieser Text hier will erst geschrieben werden, erst dann kann man diesen Text lesen.

Dieser Text hier lacht keinen an, keinen aus. Dieser Text hier sammelt keine Briefmarken. Dieser Text rettet nicht die Welt. Dieser Text hier ist nicht einfach da. Dieser Text besteht nicht aus Fragmenten. Dieser Text ist durchdacht. Dieser Text ist nichts Besonderes. Dieser Text will keine Phrasen dreschen. Dieser Text besteht aus Zeilen und die Zeilen aus Buchstaben. Dieser Text hat keine Verse. Dieser Text ist kein Gedicht. Ganz einfach ist dieser Text. Es pocht kein Herz in diesem Text. Kein Fenster ist in diesem Text geöffnet. Niemand stirbt in diesem Text. Dieser Text ist ohne Höhepunkt. Dieser Text kocht nicht. Diesen Text muss man so essen. Auch wenn man danach kotzt. Dieser Text ist ohne Nachgeschmack. Auch wenn man danach kotzt. Sehr präzise ist dieser Text. Kein Märchen ist dieser Text. Dieser Text hier ist kein Spiel. Dieser Text hier will nichts diktieren. Dieser Text zwingt keinen. Dieser Text ist kein Aufruf. Dieser Text ist keine Rechtfertigung. Dieser Text ist noch nicht fertig. Dieser Text ist nicht gerecht. Dieser Text ist nicht gerechtfertigt. Dieser Text ist keine Lebeshilfe. Keiner soll diesem Text hier Glauben. Dieser Text ist kein Betrug.

Dieser Text ist nicht von ungefähr. Nicht ganz ungefährlich ist dieser Text hier. Dieser Text hier ist nicht endlos. Spannend ist dieser Text. Sehr spannend. Gleich ist er zu Ende. Das ist sehr spannend. Wenn man mutig sein will, sagt man: Diesen Text gibt es ja gar nicht wirklich, praktisch gesehen und weiter, dann brauche ich diesen Text ja auch nicht zu schreiben, zu lesen. Sehr praktisch ist das. Aber so mutig will der Schreiber des Textes nicht sein. Also schreibt er diesen Text. Und was schreibt er, in diesem Text? Dem Schreiber des Textes fällt immer was Neues ein. Hoffentlich fällt er nicht auf die Schnauze. Das ist lustig. Dieser Text ist voller Witz und Einfalt. Ha, ha, ha, ist das lustig, dieser Text. Wer schreibt, muss damit rechnen, dass sein Text lustig wird. Dieser Text ist lustig und spannend. Man lacht sich kaputt, wenn man diesen Text schreibt. Wenn man diesen Text schreibt, scheißt man sich in die Hose. Vor Aufregung. Und gleich ist es soweit, pass auf, dann kommts, dann kommt nichts mehr. Was kommt nach dem Tod? Manchmal entleert sich der Darm, wenn man stirbt. Dann weiß man wenigstens, was man davon hat. Ha, ha, ha, ist das komisch.

Dieser Text ist irgendwann mal zu ende. Das steht fest. Zum Glück. Dieser Text ist gar nicht lustig. Das hätte nicht in diesem Text stehen sollen. Man muss nicht weinen, wenn dieser Text zu ende ist. Man weint auch nicht, wenn man stirbt. Das erledigen andere für einen. Jetzt ist der Schreiber aber irritiert von dem ganzen wirren Zeug. Wo hat denn dieser Text angefangen? Was fragst du mich? Würde der Text sagen. Aber, das ist ja egal, wo er angefangen hat. Gleich, gleich ist der Text zu ende. Sowieso. Sowieso? Man braucht keine Angst zu haben, wenn man diesen Text schreibt. Gleich ist er ja zu ende. Das ist bei jedem Text so, dass er einmal das Schlusswort spricht. Das kann ja nicht weh tun. Man merkt es doch nicht, wenn er zu ende ist. Ist doch nur ein Text. Nichts weiter. Wenn man die Augen zu macht, ist er zu ende. Wenn man sie aufmacht, gehts wieder los. Dieser Text lässt nicht locker. Dieser Text kratzt an den Nerven bis zum bitteren Ende. Gleich ist er vollendet. Aber noch sind es ein paar Zeilen, die zugetextet werden wollen. Man darf nicht zögerlich sein, wenn man diesen Text schreibt. Das ist schon ein Grund, Angst zu haben. Wie geht der Text weiter? Keiner weiß es, wie er weiter geht. Und doch geht er weiter, der Text. Ist das ein Trost? Das ist kein Trost. Dieser Text soll ja auch nicht trösten. Wer Trost braucht, liest abends die Bibel, oder sammelt Briefmarken. Oder erobert die Welt. Das tröstet ungemein. Dieser Text hier will nichts erobern. Das macht einem Angst.

Dieser Text hier ist nur da, um beendet zu werden. Nur dazu ist dieser Text da. Deswegen habe ich ihn angefangen. Ich habe ihn angefangen? Ja, ich schreibe diesen Text, ich bin mir ganz sicher. Gerade eben war ich in der Uni, ich war auch auf dem Klo. Das ist sehr gesund, auf Klo zu gehen. Ich habe da was gesehen, auf dem Klo. Das Pissoir war voll mit dunkelgelber Pisse. Das war womöglich Bier. Oder Kaffe. Vielleicht ein wenig Paracetamol. Warum war das noch da? Da ist doch so ein Knopf, das, wenn man es drückt, das Pissoir mit Wasser flutet. Dann verschwindet die Pisse. Warum? Warum. Man weiß nicht, warum. Man weiß auch nicht, was dieser Text hier aussagen will. Ich habe doch eben gesagt, dass er nichts aussagen will. Das habe ich gesagt? Jetzt bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich das war, der das gesagt hat. Oder, dass der, der das gesagt hat, gar noch lebt. Aber eines weiß ich noch genau (Das war das tausendste Wort in diesem Text. Lasst uns einen trinken auf den Text, sonst trocknet er aus.), irgend jemand hat das gesagt. Im Übrigen ist es auch unwichtig, ob ich das nun gesagt habe, oder nicht. Es ist gesagt, damit hat es sich. Dieser Text ist nicht zum nachdenken. Man wird diesen Text nicht verstehen, wenn man diesen Text hier nicht versteht. Es ist nicht leicht, diesen Text zu verstehen. Wenn man diesen Text verstehen will, so muss man damit anfangen. So einfach ist dieser Text.

Dieser Text hat was. Einen Anfang hat dieser Text. Wir alle sind sehr gespannt, auf das Ende. Ich sage: Wir. Damit ich mir nicht immer sicher sein muss. Jedenfalls nicht dann, wenns sowieso egal ist. Wir sind also sehr gespannt auf das Ende des Textes. Weniger auf das Ende, vielmehr auf das, was noch so kommt, bevor er zu ende ist. Warum, weil wir die Welt retten wollen. Das ist das einzige Weil in diesem Text. Lang Weilig ist dieser Text nicht. Aber das nur nebenbei. Vielleicht also steht dazu eine Anleitung in diesem Text, wie man etwas rettet. Lass uns die Welt retten. Hurra! Oder erobern. Juhu! Egal, nur irgendwas, irgendwas machen, damit es nicht so leer ist hier, als ob alles tot wäre.

Totenstille wäre hier, wenn dieser Text nicht wäre. Wir sind froh darüber, dass der Text da ist. Obwohl ich mir nicht sicher bin. Dieser Text hat dogmatische Züge. Da muss man aufpassen. Das ist leider so in einem Text. Aber eine gute Beschäftigung ist der Text allemal. Der Text ist nicht gut, die Beschäftigung ist gut. Und wenn sie dann zu ende ist, oder er dann zu ende ist, dann kommt nichts weiter. Unvorstellbar, unvorstellbar wäre das. Dann kommt nichts. Oder doch? Wir werden dafür sorgen, dass dann doch noch etwas kommt. Dass das Unvorstellbare nicht kommt. Das werden wir machen. Aber jetzt sind wir erstmal froh darüber, dass der Text da ist. Eigentlich sind wir ja eine sehr frohe Spezies. Welcher Hund sammelt Briefmarken? Welches Schwein will schon die Welt erobern. Wenn man ganz fröhlich ist, erschießt man seine Mitschüler und ein paar Lehrer. Oder seinen Chef. Oder den Bundeskanzler. Man findet immer jemanden, mit dem man seinen Spaß hat, den man erschießen kann. Früher gingen die Leute in die Kirche. Auch keine schlechte Lösung. Aber jeden Sonntag? Wer hat schon Zeit dazu. Lieber mal hier die Pisse nicht runterspülen; da mal ein paar Liter Lack in den Rhein schmeißen, nachts versteht sich; dort den Hund des Nachbarn verklagen, wegen Ruhestörung, oder gleich vergiften; vielleicht mal ein Kind totfahren das geht alles viel schneller. Viel schneller und leichter, als diesen Text zu schreiben. Und man weiß immer, was kommt. Bei diesem Text, weiß man das nicht.

Dieser Text fängt an, Konturen aufzuweisen. Eher ein Nachteil dieses Textes. Dieser Text hier will keinen Anklagen. Dieser Text hier sucht keine Schuld. Dieser Text hier sucht keine Schuld. Dieser Text hier sucht keine große Schuld. Dieser Text will nicht provozieren. Keine Entschuldigung braucht dieser Text. Dieser Text sucht nicht nach Schuld. Dieser Text ist voller Liebe. Sehr gefährlich ist dieser Text. Dieser Text ist kein Rätsel. Dieser Text braucht keine Lösung. Dieser Text ist nicht schlimm. Nicht Gottlos ist dieser Text. Obwohl das auf den ersten Blick so scheint. Im Gegenteil, das ist wahrscheinlich ein sehr politischer Text. Öhömm, Entschuldigung. Ich wollte sagen, sehr religiös. Ich kann mir selber nicht einmal mehr glauben. Dieser Text ist voller Gegensätze. Voller Gegensätze ist dieser Text. Aber egal, das ist ja nicht schlimm. Wir können also durchaus behaupten, dieser Text sei religiös. Religiös sei dieser Text. Und ich sehe, es ist gut, dass dieser Text ist. Dieser Text gefällt mir. Es ist aber egal, ob dieser Text mir gefällt, oder nicht. Alles hängt jetzt davon ab, wie es geschrieben wird, und wie es endet. Das ist keineswegs egal. Das ist sehr spannend, sehr spannend ist dieser Text. Wer schreibt diesen Text? Wer liest es? Mir doch egal, wer diesen Text liest. Dieser Text ist da, und bevor der Text zu ende ist, will er wenigstens einmal gelesen sein. Das ist doch nicht zuviel verlangt. Sehr bescheiden ist dieser Text. Geschrieben und gelesen werden will dieser Text. Nur einmal gelesen, ein einziges mal. Man braucht diesen Text nur einmal zu lesen. Man kann diesen Text nur einmal lesen. Wer das nun ist, das ist egal, das interessiert den Text nicht. Frag ihn mal, frag mal den Text hier. Ich glaube, der Erfolg bleibt aus bei diesem Text hier.

Es gibt keine Antworten in diesem Text hier. Vielleicht ist er deswegen so spannend. Man kann ihn nur einmal lesen. Da muss man schnell sein. Aber wenn der Text auf der Strecke bleibt, wenn er nicht geschrieben und gelesen wird, dann ist der Text tot. Den Text hier hat es dann nie gegeben. Er ist zu ende, dieser Text hier, bevor er angefangen hat.