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Oktober 2004

Sonntag, 31. Oktober 2004

Der Schauspieler

Sehen Sie, wer hier auf dem Stuhl sitzt?
Ich meine, wer hier auf dem Stuhl sitzt.
Hier, hier sitzt er!
Er sitz hier auf dem Stuhl und spricht mit Ihnen.
Können Sie ihn hören?
Ich steh lieber auf und
Halt mein Mund.
So können Sie ihn vielleicht besser sehen,
Besser hören.

Da, da sitzt er! Jetzt, sehen Sie es jetzt?
Ihnen ist ja kaum noch zu helfen.
Und was er sagt, hören Sie auch nicht?
Natürlich sagt er nichts. Hören Sie es denn nicht?
Nicht mich, ihn, ihn sollen sie anschauen, ihn!
Ich war schon beim Arzt. Ein netter Kerl.
Bedauernswerte Person. Gemeingefährlich.

Ach was! Nein, nein, ich werde Sie nicht umbringen.
Das machen Sie schon ganz gut, muss ich sagen.
Wie lange brauchten Sie dafür?
Schön, sehr schön, kommen Sie zum Schluss.
Verstehen Sie mich nicht? Machen Sie ein Ende,
Sag ich.

Sonntag, 31. Oktober 2004

Nachtgebet

Der eiskalte Wind in eiskalter Nacht,
Der Wald, die Berge in finstrer Pracht,
Der Mond, die Sterne, die Heilge Macht,
Wie fern dies alles von mir.

Als laste die Sorge auf Wind und Nacht,
Als nehme die Angst den Bergen die Pracht,
Als sei das Leid eine ewge Schlacht, die
Ich nie zu beenden gelernt.

O lehret mich Wind,
O lehret mich Nacht,
Lehret mich sterben vor eurer Pracht!
Hinweg mit des Geistes leidger Tracht!
Und öffnet das Leben in mir.

Sonntag, 31. Oktober 2004

Moral

Ist es das, was höflich ist,
Oder was gezogen ist?
Ist es Kampf? Ist es Sieg?
Ist es dein gerechter Krieg?

Ist es gut? Ist es Heilig?
Wo kommt es her, hats es eilig?
Ist es Kummer? Ist es Schmerz?
Ists das Loch im Heldenherz?

Ists geboren, Wie du und ich?
Ist es könig, gar kaiserlich?
Liegts im Brechen? Liegts im Biegen?
Oder im Stillen, ganz verschwiegen?

Ists die Sonne?
Ists der Wind?
Die Wolken?
Der Regen?
Der Mensch im Kind?

Die Kraft, die ist, die spinnt und sät,
Die handelt, die schafft, und ewig währt.